Wir schwimmen in Schulden und ertrinken im Geld

Managerkommentar 26.11.2010 - Outlook. Der Optimismus steigt, der Konsumklimaindex auch, die Deutschen sparen weniger und geben wieder mehr Geld aus. Gerade als wir dachten, dass alles wieder gut ist, sagt Wolfgang Schäuble so etwas. „Wir schwimmen nicht im Geld, wir ertrinken allenfalls in Schulden und versuchen, uns dagegen zu wehren“. In der jüngsten haushaltspolitischen Debatte sah sich der Bundesfinanzminister zu einer klaren Aussage gezwungen.

Wie kann ein Bundesfinanzminister so etwas sagen? Weiß er denn nicht, dass wir den Aufschwung brauchen und dass er für gute Stimmung sorgen sollte? Oder ist er ein Politiker, der auch Tacheles redet? So hart, wie er manchmal mit seinen Mitarbeitern umgehen kann, so hart geht er auch mit den Fakten um. Wolfgang Schäuble hat die Wahrheit gesagt, die unbeliebte Wahrheit.

Dabei geht es Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern doch eigentlich noch sehr gut. Die Arbeitslosigkeit ist verhältnismäßig niedrig und die Wirtschaft brummt. Wenn es uns noch relativ gut geht, wie geht es denn den anderen Ländern?

Wer redet hier Tacheles?

Die Lage der Weltwirtschaft ist ernst. Wenn es nicht unbedingt sein muss, redet aber kein Politiker Tacheles. Die Griechen sehen die Schuld für ihre Misère eher bei Deutschland als bei sich selbst. Irland möchte trotz der Pleite die Unternehmenssteuern weiterhin auf Dumpingniveau halten, das Loch sollen die anderen Euro-Länder halt finanzieren. Die Amerikaner meinen, dass der Rest der Welt Schuld an ihren Handelsdefiziten ist. Und die Chinesen weigern sich, ihre Währung aufzuwerten aber ärgern sich weiterhin über ihre importierte Inflation. Es gibt viele Politiker, die hart mit anderen Ländern ins Gericht gehen, aber nur wenige, die das mit dem eigenen Land tun.

Um die Lage der Weltwirtschaft zu beschreiben, müsste man die Aussage von Wolfgang Schäuble abwandeln: „Wir schwimmen in Schulden und ertrinken im Geld“.

Es ist ein Paradox. Wir haben weltweit viel mehr Schulden als uns allen lieb ist. Gleichzeitig haben wir aber auch viel mehr Geld, das jedoch in den Finanzmärkte hängen bleibt und nicht in der Realwirtschaft ankommt.

Was bedeutet das für die Wirtschaft?

Aus fundamentaler Sicht ist es völlig klar, dass einige Länder pleite sind, mehrere Länder ihre Finanzierung nicht mehr ohne externe Unterstützung in Griff bekommen werden und viele Länder sparen werden. Gekürzte Ausgaben und angehobene Steuern werden im Laufe der Zeit einen gravierenden Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung ausüben. Zusätzlich ist es so, dass Konjunkturprogramme und Finanzspritzen auslaufen. Hierdurch wird das Wachstum auf lange Zeit deutlich unter dem Niveau von vor der Finanzkrise bleiben.

Was bedeutet das für die Kapitalmärkte?

Manchmal passiert es, dass faktische Entwicklungen sich zwar vollziehen, die Kapitalmärkte diese Entwicklungen jedoch ausblenden. Das dauert so lange, bis die Entwicklungen dermaßen konkret sichtbar werden, dass sie einfach nicht mehr ignoriert werden können. In jüngster Zeit haben wir das bei den amerikanischen Hypotheken und bei Griechenland beispielhaft verfolgen können. Die Qualität der amerikanischen Hypotheken und die Haushaltslage in Griechenland verschlechterten sich über Jahre hinweg. Zur Kenntnis genommen wurde das aber erst nach langer Zeit. Die Folgen waren dann heftige Reaktionen an den Finanzmärkten, welche die ausgeblendeten Entwicklungen innerhalb von wenigen Tagen „nachholten“ und einpreisten.

Im Moment sind die Bewertungsniveaus an den Finanzmärkten noch auf einem Niveau, als würden uns weltweit Jahre mit hohem Wachstum bevorstehen. Die Investoren wollen von den bevorstehenden mageren Jahren noch nichts wissen. Irgendwann wird sich jedoch die Einsicht durchsetzen, dass die Wirtschaft leider nicht so stark weiterwachsen wird wie erhofft.

Obwohl die langfristigen fundamentalen Daten zu einem deutlich niedrigen Bewertungsniveau führen müssten, leisten die Investoren es sich noch, diese Fundamentaldaten zu ignorieren. Das können sie sich noch leisten, und zwar aus dem Grund, dass das Quantitative Easing weiterhin extrem viel Geld in die Finanzmärkte pumpt. Dieses Geld kommt zu einem Großteil nicht in der Realwirtschaft an und bleibt in den Finanzmärkten hängen. Hierdurch entsteht Inflation, die wir aber erst später spüren werden. Ein typisches Beispiel für vorerst versteckte Inflation ist der Preisanstieg von Baumwolle, welche in kurzer Zeit zu Preissteigerungen von 30 Prozent beim Einkauf in China geführt hat. Diese höheren Einkaufspreise führen zu höheren Preisen bei der neuen Kleidung. Ist der Konsument nicht bereit, diese Preise zu bezahlen, sinkt die Marge bei den Unternehmen. So oder so entsteht eine negative ökonomische Entwicklung.

Mittlerweile wird es immer mehr Investoren, Politikern und Bürgern klar, dass die Politik des billigen Geldes uns immer weiter von einer echten Heilung der Wirtschaft trennt. Das Ende dieser Politik rückt hierdurch näher. Wenn die kritische Masse in der Wahrnehmung erreicht ist, folgt ein kollektives Nachholen der neuen ökonomischen Realität. Wann genau die Investoren zu dieser gemeinsamen „Nachholung“ der bis dahin ausgeblendeten ökonomischen Realität kommen werden, können wir nicht vorhersagen. Auch können wir nicht vorhersagen ob die Korrektur scheibchenweise oder mit einem großen Knall erfolgen wird.

Eine alte Weisheit auf den Kopf gestellt

Die Korrekturgefahr in den Finanzmärkten ist aktuell sehr groß und steigt kontinuierlich weiter an. Unter „normalen“ Umständen würde eine Korrektur im Aktienmarkt zu einem starken Ankauf bei den Anleihen führen. Die Anleihen sind der sichere Hafen für Aktieninvestoren, die aussteigen. Geht es den Unternehmen schlechter, geht es wenigstens dem Land noch gut. Diese alte Weisheit wird gerade auf den Kopf gestellt.

Denn, heute sind die Probleme bei den Anleihen gerade der Auslöser für Aktienmarktkorrekturen. Der irische Aktienmarkt erlebt gerade eine Korrektur von 27 Prozent und der griechische Aktienmarkt hat seit der „Einblendung“ der Haushaltsprobleme eine Korrektur von 59 Prozent erlebt. In beiden Fällen ist die Entwicklung nach wie vor ungebrochen weiter abwärts. Der sichere Hafen hat sich von der Lösung zum Problem gewandelt. Die gleichen Effekte werden wir bei allen Ländern, die ihre Staatshaushalte heilen müssen, sehen, auch in Deutschland.

In diesem Zusammenhang ist es eine wichtiges Zeichen und eine besondere Warnung, dass trotz des Quantitative Easing und trotz der Tatsache, dass sowohl die USA als auch Deutschland für Investoren seit vielen Jahren als sichere Häfen galten, die Zinsen beider Länder in den letzten Monaten angestiegen sind. Obwohl es für viele Investoren keine sichereren Staatsanleihen als die Staatsanleihen dieser Länder gibt, und obwohl die Notenbanken alles tun um die Zinsen zu senken, steigen sie an.

Im Vergleich zu Griechenland und Irland sind die Zinsen weiterhin extrem niedrig. Der Mechanismus ist jedoch der gleiche. Obwohl die Unsicherheit zunimmt und Anleihen den sicheren Hafen bieten sollten, steigen die Zinsen und sinken die Kurse der Staatsanleihen. Würde  jetzt eine kollektive Korrektur aufgrund von staatlichen Haushaltsproblemen einsetzen, stünden viele Investoren mit dem Rücken zur Wand. Die sicheren Häfen, auf die wir uns solange verlassen konnten, sind nicht mehr sicher. Aktien, Renten, Rohstoffe, Immobilien, alle Assetklassen würden gleichzeitig fallen.

Keine Long-Only Strategien

Die Kursrückgänge der letzten Wochen im YEALD Vermögensverwaltungsfonds Dynamisch und im YEALD Vermögensverwaltungsfonds Konservativ sind für Sie und für uns höchst unangenehm. Wir alle sind Investoren in den YEALD Vermögensverwaltungsfonds und streben selbstverständlich eine positive Rendite an. Während die Zinsmärkte Verluste schrieben hätten wenigstens die Aktienmärkte noch positive Renditen gebracht.

Trotzdem sind wir mehr denn je der tiefen Überzeugung, dass die Finanzkrise noch nicht zu Ende ist und in den Staatshaushalten die Opfer zur Heilung noch gebracht werden müssen. Aus diesem Grund sind wir nach wie vor in allen Assetklassen investiert, aber nicht Long-Only. Das hat uns in jüngster Zeit 7 beziehungsweise 4 Prozent Rendite gekostet. Die Ausrichtung bleibt aber so, dass eine starke Korrektur an den Finanzmärkten das Fondsvermögen möglichst nicht trifft.

Risikomanagement vor kurzfristiger Rendite

Die Lage ist ernst. Ernster als die meisten Investoren wahr haben möchten. Deswegen halten sie still und hoffen dass der Spuk wieder abzieht. Sollte die ökonomische Realität irgendwann „kollektiv eingeblendet“ werden, kann eine Korrektur potenziell sehr stark ausfallen. Das besondere an der heutigen Situation ist, dass Staatsanleihen kein sicherer Hafen mehr sein müssen. Möglicherweise sind sie sogar das Problem und der Auslöser der Korrektur. In einer solchen Situation würden alle Assetklassen gleichzeitig fallen. Sogar eine Massenpanik an den Börsen wäre nicht auszuschließen.

In einer solchen Situation möchten wir nicht auf der Long-Only-Seite des Finanzmarktes gefangen sein. Unser langfristiges Interesse gilt selbstverständlich dem Vermögenszuwachs. Kurzfristig können die Risiken jedoch so hoch erscheinen, dass wir das Renditeziel vorübergehend völlig dem Ziel des Risikomanagements unterwerfen.

Der YEALD Vermögensverwaltungsfonds hat im Jahr 2010 die Wende von einer Negativentwicklung zu einer Positiventwicklung geschafft. Selbstverständlich werden wir alles daran tun, auch im YEALD Vermögensverwaltungsfonds Konservativ eine positive Wende zu erreichen. Genauso wichtig ist aber, dass Ihr Vermögen in der jetzigen Situation gegen weit gravierendere Risiken geschützt wird. Wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, können diese Risiken durchaus im Bereich zwischen 20 und 50 Prozent Wertverlust liegen. Diese Risiken versuchen wir zu vermeiden.

In unserem nächsten Managerkommentar werden wir Ihnen einen „Systemcheck“ bieten und detailliert darstellen, welche Fondseigenschaften wir Ihnen ursprünglich avisiert haben und welche davon bis jetzt eingetreten sind.

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Marcel van Leeuwen

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