Managerkommentar 21.12.2009 - Outlook: Das Paradoxon und der Truthahn

Entgegen dem Markttrend haben die konservative und die dynamische Strategie das Jahr 2008 als zwei unter wenigen Strategien im Plus abschlossen und so extrem hohe Verluste vermieden. Ebenso entgegen dem Markttrend werden die beiden Strategien das Jahr 2009 im Minus abschließen. Die Entwicklung im Jahr 2009 war nicht zufriedenstellend. In diesem Managerkommentar fassen wir die Entwicklungen des Jahres 2009 für Sie zusammen und geben Ihnen einen Ausblick für das Jahr 2010.

Kursentwicklung und Risiko

Viele private und institutionelle Investoren meinen, das Risiko eines Investments sei mit Volatilität gleichzustellen. Und selbstverständlich sei auch ein steigender Kurs ein Hinweis auf steigende Sicherheit und sinkendes Risiko. Diese Interpretation von Kursentwicklung und Volatilität führt zu falschen und gefährlichen Entscheidungen. Die Gefahr lässt sich anhand eines Beispiels darstellen.

Ein Truthahn wird geboren. Er fühlt sich unsicher und sein Befinden ist noch nicht sehr gut. Mit anderen Worten, sein „Aktienkurs“ ist niedrig und zeigt eine hohe Volatilität. Dann startet der Truthahn ins Leben. Er wird gefüttert, findet sich in seiner Welt zurecht, und allmählich steigert sich sein Wohlbefinden. Sein Aktienkurs steigt und die Volatilität sinkt. Mit der Zeit wächst der Truthahn zu einem stattlichen und zufriedenen Tier heran. Sein Aktienkurs steigt kontinuierlich und seine Volatilität sinkt kontinuierlich. Der Truthahn könnte sich nicht sicherer fühlen. Am nächsten Tag wird er geschlachtet.

Diese von Nassim Nicholas Taleb geliehene Geschichte veranschaulicht wichtige Gefahren für Investoren. Die Kursentwicklung der Vergangenheit sagt nichts über die Kursentwicklung der Zukunft aus. Und Volatilität ist nicht gleich Risiko.

Genau diese Fehlinterpretationen haben dazu geführt, dass die Risikomanagement-Systeme der Banken und Investoren die Finanzkrise nicht kommen sahen. Denn in der Zeit vor der Krise stiegen die Kurse und sank die Volatilität. Dementsprechend fühlten sich die Institute sicher und erhöhten sogar ihre Risikobudgets. Dann wurden sie geschlachtet.

Ohne die Intervention der Regierungen weltweit wäre das internationale Bankensystem kollabiert. Deswegen könnte man schon meinen, die Finanzinstitute und Investoren hätten aus der Finanzkrise gelernt. Ist das auch so?

Marktentwicklungen

Im Jahr 2009 sind fast alle Assetklassen von extremen Preisentwicklungen geprägt gewesen. Dabei bieten Marktteilnehmer oft vermeintlich rationale Erklärungen für die extremen Preisentwicklungen in den einzelnen Assetklassen. Für jede Assetklasse wird mindestens ein Szenario geboten, das die Preisentwicklungen logisch erklären soll. Jedoch, spätestens wenn die Erklärungen für die einzelnen Assetklassen miteinander kombiniert werden, zeigt sich, dass die vermeintlich rationalen Erklärungen widersprüchlich sind und gegensätzliche Szenarien unterstellen.

  • Anleihen
    Die Preise der Anleihen sind sehr stark gestiegen und die effektive Rendite ist mittlerweile sehr niedrig. Selbstverständlich spielte im Herbst 2008 die Flucht in die Sicherheit die zentrale Rolle beim Kursanstieg. Mittlerweile sind es aber insbesondere die „Quantitative Easing“ Anleihen-Kaufprogramme der Notenbanken, die für ein weiterhin niedriges Zinsniveau sorgen. Die gängigste Erklärung ist, dass die Wirtschaft noch nicht stark genug, ist um höhere Zinsen zu verkraften. Zudem ist die Inflation weiterhin sehr niedrig, teilweise herrscht sogar Deflation.

  • Gold
    Das Gold steigt und steigt. Obwohl Gold von den Zentralbanken schon vor langer Zeit als Sicherheitshinterlegung für die eigene Währung in den Ruhestand geschickt wurde, bemühen viele Erklärungen des Kursanstiegs diese alte Funktion des Goldes. Von dieser Anspielung aus ist es kein weiter Schritt mehr, im Zusammenhang mit den stark gewachsenen und weiter wachsenden Staatsschulden, eine bevorstehende Hyperinflation mit Währungsreform ins Feld zu führen.

  • Aktien
    Die Aktien haben im Jahr 2008 massiv an Wert verloren und im Jahr 2009 stark an Wert gewonnen. Unterm Strich sind die Aktien weiterhin im Minus, aber da unser Gedächtnis sehr kurzfristig ausgelegt ist, herrscht mittlerweile eine breite Meinung vor, dass die Aktien vor allem stark gestiegen sind. Die häufigste Begründung für den starken Anstieg findet sich in der Überlegung, dass die Weltwirtschaft sich auf dem Weg der Besserung befindet, was an sich oft mit den Unternehmensgewinnen, die besser als erwartet ausfallen, und den darauffolgende Kursanstiegen am Aktienmarkt begründet wird. Zum Teil wird auch die Tatsache, dass die Wirtschaft sich nicht mehr im freien Fall befindet bereits, als Aufwärtsbewegung gedeutet.

  • Öl und andere Rohstoffe
    Ähnlich wie die Aktien erlebte das Öl zuerst den Absturz, gefolgt von einem Anstieg. Auch dieser Anstieg wird oft durch das Anziehen der Wirtschaft erklärt. Ähnliche Erklärungen werden für weitere Rohstoffe angeführt.

  • Währungen
    Der US Dollar als wichtigste Weltwährung ist seit der Jahrtausendwende und dem Niedergang der New Economy gegenüber dem Euro und dem Yen kontinuierlich schwächer geworden. Einzige größere Ausnahme war die vorübergehende Stärke im Herbst 2008. Diese relative Stärke wird in der Regel mit der Flucht in die Sicherheit in Verbindung gebracht. Anleihen in US Dollar wurden in der Vergangenheit oft als sicheren Hafen gesehen. Auch im Herbst 2008 wurde nach diesem alten Rezept gegriffen.

Die Kombination der Erklärungen bringt den Widerspruch ans Licht

Für sich betrachtet, gibt es für jede Assetklasse gängige Erklärungen, die bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht so abwegig erscheinen. Es fällt nicht schwer, sich zu einer „Da muss was dran sein“ verlocken zu lassen. Und sicherlich ist auch einiges dran, an den Erklärungen und Szenarien. Aber zu welcher Schlussfolgerung kann man kommen, wenn man versucht, die Szenarien nicht getrennt zu betrachten, sondern kombiniert? Können die Szenarien unter einen Hut und auf einen Nenner gebracht werden? Das ist nicht einfach. Denn, während bei Anleihen, Gold und Währungen eine Verschlechterung der Wirtschaft den Kern des erklärenden Szenarios bildet, verhält es sich bei Aktien, Öl und Rohstoffen gegenteilig. Hier bildet eine Verbesserung der Wirtschaft den Kern des erklärenden Szenarios.

Das wirft natürlich die Frage auf, wer jetzt recht hat. Aber müssen diese Erklärungen miteinander versöhnt werden? Vielleicht liegt die Vereinigung der Erklärungen in der Annahme, dass die eine „Hälfte“ der Investoren von einer Verschlechterung, und die andere „Hälfte“ von einer Verbesserung ausgeht? Oder ist es so, dass die wenigsten Investoren sich sicher sind, welches Szenario Realität wird und sich deswegen hälftig für beide Szenarien eindecken? Gibt es vielleicht noch ganz andere Erklärungen?

Fakten

Viele Entwicklungen, die in den Medien als Fakten dargestellt werden sind in Wirklichkeit eher Meinungen. Je öfter die Meinungen wiederholt werden, umso mehr könnte man glauben, dass es sich dabei um Fakten handelt. Die Bedeutung der harten Fakten nimmt in den Überlegungen der Medien und Investmentbanken oft eine untergeordnete Rolle ein. Deswegen geben wir Ihnen an dieser Stelle unsere Meinung zu den Entwicklungen, wovon wir behaupten, dass sie als Fakten eingestuft werden könnten.

  • Arbeitslosigkeit
    Die Arbeitslosigkeit steigt weltweit stark an.

  • Staatsverschuldung
    Die Staatsverschuldung nimmt weltweit überdurchschnittlich schnell zu.

  • Konjunktur
    Die Wirtschaft wächst teilweise wieder, aber nur langsam und auf niedrigerem Niveau. Die Konjunktur in den wichtigsten Ländern ist stark von den staatlichen Konjunkturprogrammen getrieben.

  • Kreditversorgung
    Die staatliche verabreichte Liquidität erreicht nicht die Unternehmen, sondern fließt größtenteils in „Financial Assets“ (Anleihen, Gold, Aktien, Öl und andere Rohstoffe).

  • Verstaatlichte Konjunktur
    Sollte die Wirtschaft weiterhin nur langsam wachsen, könnten die Staaten sich die staatlichen Konjunkturprogramme trotzdem nicht dauerhaft leisten.

Der Versuch einer alternativen Erklärung der Marktentwicklung

Obwohl an den vorhin erwähnten Erklärungen sicherlich einiges „dran ist“, sehen wir den Kern der aktuellen Marktentwicklungen nicht in einer rationalen Investmentlogik. Wir meinen, die Erklärung der aktuellen Marktentwicklungen liegt nicht in der künftig erwarteten Rendite einer Investition, sondern eher in der Liquidität und der Psychologie.

Als die USA nach dem Zusammenbruch der New Economy, die im Nachhinein nichts anderes als eine zu groß gewordene Blase bestimmter Financial Assets (Tech-Aktien) war, ihre Wirtschaft in Fahrt halten wollten, haben sie die Wirtschaft mit immer billiger werdendem Geld versorgt und so stark beschleunigt.

Das führte unter anderem dazu, dass Aktien seit der Jahrtausendwende nahezu die ganze Zeit ein ambitioniertes Bewertungsniveau mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 15 hielten. Gleichzeitig entwickelte sich nach den Tech-Aktien aber eine ganz andere, neue Blase: Immobilien in den USA aber auch in anderen Finanz- und Boomzentren der Welt. Nachdem die Immobilienblase platzte, das internationale Bankensystem pleite ging und die Wirtschaft auf Talfahrt, wurde zur Abwendung des Supergaus die Liquidität ein zweites Mal radikal erhöht und verbilligt.

Wo soll das Geld hin?

Wo soll dieses Geld jetzt hin? Die Verbraucher verlieren Arbeitsstellen und müssen ihre Schulden abbauen. In den nächsten Jahren werden sie nicht in Feierlaune sein und die Konjunktur ankurbeln. Die Staaten müssen Konjunkturprogramme, Bankenrettungsmaßnahmen und eine höhere Arbeitslosigkeit bei niedrigeren Steuereinkommen verkraften. Die Unternehmen haben sich durch massive Kostensenkungen auf eine magere Zukunft eingestellt, können oder wollen aber auch nicht überdurchschnittlich investieren. Die Banken sehen weiterhin massive Abschreibungen auf Kreditbestände auf sich zurollen und müssen eventuelle Kursrückgänge an den Finanzmärkten verkraften ohne wieder eine informelle Pleite anmelden zu müssen.

Folglich fließt ein Großteil des vielen billigen Geldes nicht als Kredit in die Taschen der Konsumenten und Unternehmen, sondern in die Financial Assets. Das hat eine ganz besondere Konsequenz: Alle Assetklassen steigen gleichzeitig im Preis.

Nicht das künftige Renditepotenzial einer Investition steht im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass der Preis gerade steigt. Und die Tatsache, dass nahezu alles andere auch im Preis steigt, verleiht der Kaufentscheidung eine zusätzliche, sei es auch eine trügerische Sicherheit. Leider erfüllt diese Entwicklung die typischen Kriterien einer Blase.

Die menschliche Psyche ist nun Mal sehr kurzfristig ausgerichtet. Die gleichen Investoren, die gerade einen Absturz von 50 Prozent erlebt haben, kaufen bereits wieder. Denn „es geht wieder hoch“, es muss hoch gehen, denn nahezu alle Marktteilnehmer brauchen dringend eine Aufwärtsbewegung. Diese massive Aufwärtsbewegung in allen Assetklassen kreiert zusätzlich einen Gruppenzwang. Die Kunden der Asset Manager sehen die Aufwärtsbewegung und verlangen von den Asset Managern, dass sie ihren Anteil von diesem Gewinn bekommen. Nur wenige Asset Manager können sich diesem Druck entziehen. Und so geht es wieder so lange gut, bis es schief geht. Und dann müssen alle wieder gleichzeitig durch den einen kleinen Ausgang.

Anlagestrategie in einem paradoxen Markt

Versucht man, die gegenwärtigen Marktentwicklungen mit klassischer Investmentlogik und rationalen Investoren zu erklären, wird schnell klar, dass der Finanzmarkt heute ein Paradoxon handelt. Die wenigsten Investoren wollen oder können sich heute erlauben, auf Basis von erwarteten Renditen einer Investition zu entscheiden. Die Liquidität muss untergebracht werden. Die Liquidität ist aber zu einem Großteil staatlich verbilligt worden. Die internationale Staatengemeinschaft kann sich diese Subvention auf Dauer nicht leisten, egal wie gut oder schlecht es der Wirtschaft geht. Deswegen sollte ein Investor nicht ohne den staatlichen Ausstieg aus der billigen Liquidität – den „Exit“ – planen. Denn, wäre billige staatliche Liquidität eine nachhaltige Lösung, hätten wir sogar die Pflicht, das Geld weiter ungehemmt fließen zu lassen, um so den Wohlstand aller schnell zu vergrößern. Leider ist Liquidität nichts anderes als ein Kredit, der zurückbezahlt werden muss, und zwar von uns allen gemeinsam.

In diesem paradoxen Umfeld sollte ein Investor sich Gedanken machen, welche Risiken er eingehen möchte. Und er sollte sich ebenso Gedanken machen, welche Risiken er nicht eingehen möchte. Wir halten es für unvertretbar, die wirklich enorme Bedrohung, die von dem unvermeidbaren Exit ausgeht, zu ignorieren. Wenn es so sein sollte, dass statt der scheinbar rationalen aber paradoxen Erklärungen für die Preisentwicklungen in den einzelnen Assetklassen die billige Geldflut die eigentliche Ursache für den simultanen Anstieg der Assetpreise ist, dann sollten wir uns auf etwas gefasst machen. Denn der Stöpsel wird unvermeidbar gezogen. In den letzten Tagen haben nicht nur die EZB, sondern auch die Fed angedeutet, dass sie den Exit einleiten werden. Und nicht nur die Kreditwürdigkeit von Griechenland und Dubai, sondern auch die von Japan, England und den USA stehen zur Diskussion.

Wie wird’s genau kommen?

Wie es genau kommen wird, kann kein Mensch seriöserweise vorhersagen. Sogar eine ungefähre Vorhersage ist kaum möglich. Dafür ist unsere Welt zu wild und unberechenbar.

Wie können wir mit dieser Unsicherheit umgehen?

Wenn weder wir noch andere die Zukunft nicht gut genug vorhersehen können, Wie können wir dann mit dieser fundamentalen Unsicherheit umgehen? Das wichtigste ist, die größten Risiken zu vermeiden.

Eine andere Möglichkeit wäre, so zu tun als ob nichts los ist und die Krise bereit vorbei sei. Augen zu und durch.

Eine weitere Möglichkeit wäre, so zu tun als ob die Welt zusammenbricht. Aufgeben.

Wir sehen noch eine Möglichkeit. Die Krise ist noch nicht vorbei. Die Folgen der Krise werden wir in den nächsten Jahren bewältigen müssen und können. Hierbei können und dürfen wir nicht ignorieren, dass massive weltweite ökonomische und politische Einschnitte, wie wir sie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben, die Folgen sein könnten. Hierbei handelt es sich nicht um einen Zeithorizont von Monaten, sondern von Jahren. Ein Szenario mit wenigen Schocks und gemäßigtem Wachstum wäre bereits ein Riesenglück.

Die aktuellen Bewertungen der Aktien implizieren einen Anstieg der Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren von 200 bis 300 Prozent. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise davon auszugehen, dass die Unternehmensgewinne durch die Bank um 200 bis 300 Prozent ansteigen werden und der Exit aus dem billigen Geld nur kleinere Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen würde, wäre unseriös.

Ein anderer Weg wäre eine staatlich geduldete hohe Inflation. Auch in diesem Szenario gibt es keinen Platz für hohe Bewertungen von Anleihen und Aktien.

Sowohl die sechziger und siebziger Jahre als auch das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts haben gezeigt, dass es möglich ist, über lange Zeiträume mit Aktien Geld zu verlieren und eine negative Realverzinsung zu erreichen. Steigende Aktienkurse sind nicht selbstverständlich, auch wenn die Kinder der großen Assetblasen manchmal meinen, dass es keine andere Möglichkeit gäbe.

Wie es auch genau kommen wird, die Risiken überragen die Chancen, auch wenn viele Marktteilnehmer derzeit glauben, dass die steigenden Kurse ein Indiz für eine zunehmende Sicherheit seien. Im Jahr 2007 waren die steigenden Kurse kein Indiz für eine zunehmende Sicherheit im Jahr 2008. Und im Jahr 2009 sind die steigenden Kurse kein Indiz für eine zunehmende Sicherheit im Jahr 2010. Ganz im Gegenteil, die Folgen einer neuen Marktkorrektur wären möglichweise noch schlimmer als im Jahr 2008. Denn, Banken und Länder haben heute bedeutend weniger freies Eigenkapital. Sie haben ihre finanziellen Spielräume längst bis über Gebühr in Anspruch genommen.

Die Ergebnisse der YEALD-Strategien im Jahr 2009

So gut wir im Jahr 2008 durch die Krise gekommen sind, so wenig zufriedenstellend ist das Jahr 2009. Bis zum Februar 2009 waren unsere Kunden mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Seit Anfang 2009 haben beide Strategien einen Kursrückgang gesehen, die konservative Strategie um ca. 5% und die dynamische Strategie um ca. 15%. Insbesondere vor dem Hintergrund des starken Kursanstiegs am Aktienmarkt wecken die Kursrückgänge Unzufriedenheit. Da relativiert die Tatsache, dass die YEALD Strategien seit Auflegung besser als der internationale Aktienmarkt abgeschnitten haben, zwar faktisch, aber nicht emotional. Emotional sind die meisten Menschen auf die jüngste Vergangenheit und auf den letzten Trend fokussiert.

Die YEALD-Strategien im Jahr 2009

In den Managerkommentaren haben wir schon viel über die Ausrichtung der YEALD-Strategien berichtet. Trotzdem möchten wir Ihnen zum Jahresrückblich nochmals eine Erläuterung geben.

Wir haben nicht von der Erholung profitiert, weil wir nicht klassisch „long-only“ in Aktien und Renten investiert waren. Der Grund hierfür ist, dass wir diese für schwer überteuert halten und viel mehr Risiken als Chancen sehen.

Das bedeutet aber nicht, dass wir short waren. Wir haben keine Short-Positionen eingenommen.

Vielmehr war es uns wichtig, die massiven Risiken, die weiterhin vorhanden sind, und sogar zunehmen, zu meiden. Hierzu haben wir primär in sogenannte multi-direktionale Strategien investiert. Diese Strategien haben den Vorteil, dass sie über viele Jahre hinweg, in Auf- und Abwärtsmärkten, überlegene Ergebnisse im Vergleich zu herkömmlichen „long-only“ Strategien geliefert haben. Diese Strategien haben uns im Jahr 2008 vor dem allgegenwärtigen Absturz bewahrt.

Allerdings hat jede Strategie auch schwächere Phasen. Und die Schwächephase hat uns insbesondere im ersten Halbjahr getroffen. Die Kursrückgänge waren zwar keine 50%, sondern 5% beziehungsweise 15%. Sie waren aber insbesondere vor dem Hintergrund eines steigenden Aktienmarktes bitter. Der Kern der Maßnahmen, die wir im Laufe des Jahres getroffen haben, lag in der Strategie-Diversifizierung, ohne „long-only“-Positionen in den Finanzmärkten einzunehmen. Eine sinnvolle Diversifikation ist nur dann gegeben, wenn die zusätzlichen Positionen weder mit den Märkten, noch mit unseren Kernstrategien synchron schwanken. Zudem dürfen sie das Renditepotenzial der YEALD-Strategien nicht schwächen.

Diese Maßnahmen hatten nur einen Teilerfolg. Der Erfolg war, dass das negative Ergebnis der Kernstrategien durch das positive Ergebnis anderer Strategien um ungefähr die Hälfte aufgefangen wurde. Auch trat die, aufgrund historischer Analysen nicht unberechtigte, Erwartung, dass die Kernstrategien sich nach einem Drawdown von ungefähr 20% und innerhalb von sechs Monaten wieder stabilisieren würden, zum Großteil ein. Der Drawdown blieb unter 20%, die Phase bis zur Stabilisierung dauerte jedoch ca. 9 Monate.

Trotzdem sehen Sie diese Stabilisierung der Ergebnisentwicklung den YEALD-Strategien noch nicht an. Warum nicht?

Der Grund dafür liegt in dem Aufbau und Ausbau einer äußerst dynamischen Position, die wir in den letzten Monaten vorgenommen haben. Diese Strategie ist perfekt für die YEALD-Portfolios geeignet. Denn, sie hat eine extrem hohe Rendite und schwankt weder mit den Märkten, noch mit den anderen Strategien in den Portfolios synchron. Auch ist der Drawdown auf Jahresbasis sehr niedrig, die Strategie hat kein einziges negatives Jahr. Die einzige „Nebenwirkung“ ist, dass die kurzfristige Volatilität hoch ist, was fast selbstverständlich ist, denn eine extrem hohe Rendite kommt nun mal leider nicht ohne Schwankungen.

Da es sich um die kurzfristige Volatilität handelt, gleichen sich die Schwankungen innerhalb von wenigen Monaten aus und eine wunderbare Rendite verbleibt. Ebenso lässt sich die Volatilität nicht vorhersagen. Wenn Positionen aufgebaut werden, wissen wir, dass wir bereits gleich am Anfang eine Schwankung spüren werden, wir wissen jedoch noch nicht, ob es sich dann um eine Auf- oder Abwärtsschwankung handeln wird. Deshalb ist jeder Zeitpunkt zum Kaufen gleich gut wie der nächste. Da wir in diesem Jahr nicht vom Glück gesegnet waren, traf uns am Anfang eine Abwärtsschwankung.

Das ist für die zukünftige Performance der Strategie völlig unbedeutend, denn diese Strategie lebt von den Schwankungen. Sie ließ unsere Gesamtstrategie aber noch Mal schlechter aussehen, denn just in dem Moment wo die Kernstrategien sich stabilisierten, zog die „Erstschwankung“ der neuen Position die Ergebnisse noch mal herunter. Durch diese Aneinanderreihung von unabhängigen Entwicklungen zeigt insbesondere die dynamische Strategie zwar eine stabile Wertentwicklung, jedoch stabil nach unten. Hierdurch könnte man sich fragen: „Diese Entwicklung ist so stabil, wird das auch so weitergehen?“ An dieser Stelle ist es uns wichtig, dass Sie nachvollziehen können, dass diese Entwicklung nicht so weiter gehen muss und wird. Die Portfolios sind im Laufe des Jahres 2009 kontinuierlich sinnvoll diversifiziert und wir erwarten, im Jahr 2010 davon auch die Früchte pflücken zu können.

Die YEALD-Strategien im Jahr 2010

Aufgrund der hohen Risiken werden wir bis auf weiteres keine „Long-only“-Strategien aufnehmen. Wir werden uns weder „long“ noch „short“ positionieren, sondern Strategien einsetzen, die sich selbst aufgrund der Marktentwicklungen aktiv positionieren und diversifizieren. Unsere multi-direktionalen Strategien sollten uns weiterhin vor großen Marktkorrekturen schützen, und auch davon profitieren. Die Tatsache, dass sich die extremen Intraday-Ereignisse (charakterisiert u.a. durch Trading-Envelopes und Häufigkeit der Intraday-Richtungswechsel) in den letzten Monaten für unsere Strategien im positiven Sinne positiv geändert haben, bietet den Strategien wieder gute Gewinnchancen, unabhängig von der Marktrichtung.

Wir bauen die Diversifikation weiter aus. Bereits von Anfang waren die multi-direktionalen Strategien in allen Märkten, von Aktien und Renten, bis Energie, Rohstoffe und Währungen investiert. Im Jahr 2010 werden wir weitere multi-direktionale Strategien aufnehmen und so eine weitere Diversifikation über Strategien erreichen. Die YEALD Vermögensverwaltungsfonds werden aktiv verwaltet. Das bedeutet, dass wir versuchen, uns jederzeit optimal auf die Chancen und Risiken im Markt auszurichten.

Das Paradoxon und der Truthahn

Das an den Märkten gehandelte Paradoxon ist möglicherweise ein echter Widerspruch. Eine andere und in sich konsistente Erklärung für die Marktentwicklung liegt in der Flutung der Märkte mit billigem Geld. Der Exit aus dem billigen Geld ist unvermeidbar. Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass die Folgen hieraus kleiner sein müssen, als die, die wir bis jetzt erlebt haben. Die Risiken sind enorm und überragen die Chancen von „long-only“-Strategien. Eine flexible, multi-direktionale Positionierung im Markt bietet Schutz gegen Krisen und ermöglicht Gewinne unabhängig von der Marktrichtung. Eine historische Marktentwicklung bietet keinerlei Aussage über die Zukunft der Marktentwicklung. Wie die Finanzkrise wieder gezeigt hat, führt der Verlass auf die Fortschreibung einer Marktentwicklung zu gefährlichen Fehlentscheidungen. Die Zukunft ist nicht mit ausreichender Sicherheit vorhersehbar. Somit müssen wir auf Eventualitäten vorbereitet sein und die dafür erforderliche Flexibilität wahren. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Ausrichtung der Portfolios nicht nur vor den großen anstehenden Risiken schützen kann, sondern auch in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage zu guten Renditen führen kann.

Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass unsere Strategien im Jahr 2009 die Geduld unserer Kunden strapaziert haben. Umso mehr möchten uns bei Ihnen für Ihr Vertrauen und für Ihre Geduld bedanken und Ihnen auch in turbulenten Zeiten für ein persönliches Gespräch zur Verfügung stehen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Jahr 2010 ein sehr ereignisreiches Jahr wird. Passen wir gemeinsam auf, dass wir nicht der Truthahn sind.

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr.

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Marcel van Leeuwen

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