Managerkommentar - 15.05.2009 - Outlook: Mitten in der Krise Risiken bewusst selektieren

Viele Anleger haben uns gefragt, warum wir beim Einsetzen der Krise kein Geld verloren haben, und jetzt, wo die Aktienmärkte anziehen, kein Geld verdienen. Oft wird unterstellt, dass wir im Geldmarkt sind und primär Cash halten. Das Gegenteil ist der Fall: Wir sind sowohl in der dynamischen als auch in der konservativen Strategie vollständig investiert. Beide Portfolios sind derzeit aber völlig anders positioniert als konventionelle konservative und dynamische Portfolios.

Das konservative Portfolio

Das konservative Portfolio enthält derzeit keine Staatsanleihen und keine klassischen Unternehmensanleihen. Der Grund ist einfach. Wir meinen, es gibt eine Rentenblase. Durch den hohen Sicherheitsbedarf sind Staatsanleihen aktuell überbewertet. Gleichzeitig haben sich die finanziellen Verhältnisse der Staatshaushalte durch Rettungs- und Konjunkturprogramme massic verschlechtert. Wenn Anleger eine höhere Vergütung für die Finanzierung des Staates verlangen, sinken die Kurse der Staatsanleihen und die Rentenblase platzt. Und wenn die Rentenblase platzt, möchten wir nicht das Risiko von klassischen Anleihen in unseren Portfolios haben. Leider ist es grundsätzlich nicht möglich, den genauen Zeitpunkt eines starken Kursrückgangs bei den Anleihen mit ausreichender Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Zudem können extreme Entwicklungen in der Welt auch über Nacht und am Wochenende stattfinden. Bei der anschließenden Öffnung des Handels wird der Investor dann bereits mit der Einpreisung der Entwicklung konfrontiert und kann nicht mehr zum alten Preis verkaufen oder absichern. Hierdurch könnten sehr hohe Verluste entstehen.

Wir standen vor der Wahl, entweder die Anleihen trotzdem ins Portfolio zu nehmen und auf Glück beim Timing des Verkaufs zu hoffen, oder dieses Risiko grundsätzlich nicht in die Bücher zu nehmen. Als Vermögensverwalter wählen wir in solchen Situationen immer die vorsichtigere Handlungsweise und wir haben das Risiko dementsprechend nicht in die Portfolios aufgenommen. Kurzfristig kostet das Rendite, es erspart uns aber ein hohes Risiko.

Der Großteil des konservativen Portfolios ist in konservative alternative Investments investiert. Die meisten Zielinvestments haben Strategien die bei unterschiedlichen Marktentwicklungen eine moderate positive Rendite liefern. In den letzten Monaten war das Marktumfeld für diese Strategien leider sehr ungünstig. Es gab zwar teilweise deutliche Bewegungen in den Märkten. Diese Bewegungen wurden aber von einer extrem hohen Volatilität überschattet. Aufgrund des guten Risikomanagements der betreffenden Asset Manager wurden die Strategien regelmäßig ausgestoppt und abgebrochen. Hierdurch wurden - und werden in Zukunft – größere Verluste vermieden, die Entwicklungen waren aber zu volatil, um sie verwerten zu können. Diese Marktphasen wird es immer wieder geben, sie sind aber nicht die Regel.

Wie lange dauern Phasen ohne verwertbare Trends? Die Historie der Zielinvestments zeigt, dass diese Phasen in der Regel kürzer als sechs Monate sind. In einem der nächsten Managerkommentare werden wir tiefer auf die Wirkungsweise von trendfolgenden Systemen eingehen.

In der Summe hat die konservative Strategie in den letzten Monaten leicht eingebüßt. Demgegenüber steht, dass größere zukünftige Risiken im Rentenbereich aus dem Portfolio heraus gehalten worden sind. Gleichzeitig sind wir aber vollständig investiert, sodass verwertbare Entwicklungen sich auch positiv im Portfolio auswirken werden.

YEALD Vermögensverwaltungsfonds Konservativ UI / Quelle: Bloomberg

Das dynamische Portfolio

Das dynamische Portfolio enthält derzeit keine Aktien. Der Grund ist, dass Aktien nach unserer Überzeugung im Moment eher ein hohes Risiko als eine Chance enthalten.

Die Erholung der letzten Wochen an den Aktienmärkten wird von den fundamentalen Daten nicht gerechtfertigt. Sie ist eher als technische Reaktion zu sehen. Der starke Wunsch nach höheren Kursen ist der Vater des Gedankens und des Handelns. Wir halten die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch, dass neue fundamentale Daten in den nächsten Monaten zu einer Ernüchterung führen werden. Dementsprechend sind größere Kursverluste durchaus möglich.

Wie Sie wissen, arbeiten wir prognoseneutral. Mit anderen Worten, wir versuchen nicht, die kurzfristige Kursentwicklung an den Börsen vorherzusagen. Aus der Kapitalmarktforschung wissen wir, dass Kursprognosen eine zu geringe Zuverlässigkeit haben, um in eine Strategie einzufließen. Dem steht gegenüber, dass wir die Bewertungsniveaus, die Gewinnentwicklung der Unternehmen und die fundamentale Entwicklung der Wirtschaft sehr stark in unseren Überlegungen berücksichtigen. Die fundamentalen Daten sind nahezu ohne Ausnahme sehr negativ. Und obwohl niemand den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung perfekt vorhersagen kann, ist eine weitere negative Entwicklung, die anschließend in einer länger andauernden schwachen neutralen Entwicklung mündet, gar nicht auszuschließen. Die dezeitigen Bewertungsniveaus unterstellen eine sehr schnelle "V-förmige" Erholung der Wirtschaft. So schön das auch wäre, halten wir dieses Szenario für nicht sehr wahrscheinlich.

Ger Großteil des dynamischen Portfolios ist in dynamischen alternativen Investments investiert. Auch hier gilt, wie bereits vorher erläutert, dass die Entwicklungen der letzten Wochen aus der Sicht des hochprofessionellen Risikomanagements der alternativen Asset Manager zu volatil waren, um mit vertretbarem Risiko zu verwerten.

In der Summe hat die dynamische Strategie in letzter Zeit leicht eingebußt. Dem steht gegenüber, dass wir das derzeit negative Aktienrisiko nicht in den Büchern haben. Wir sind vollständig investiert und können dementsprechend von verwertbaren Trends vollständig profitieren.

YEALD Vermögensverwaltungsfonds Dynamisch UI / Quelle: Bloomberg

Die Struktur der Krise

Die Struktur der Krise

Die Krise kann nach dem Kaskaden-Prinzip betrachtet werden. Obwohl die Ursachen der Krise tiefer liegen, hat die Eskalation der Krise im Bank- und Finanzwesen angefangen.

Vom Finanzwesen gingen die Folgen auf die Industrie über. Die Industrie erlitt massive Auftragseinbrüche und reagierte darauf mit einem massiven Abbau von Kapazitäten.

Sehr viel später, erst jetzt, werden erste Folgen für den Verbraucher sichtbar. Kurzzeitarbeit und Arbeitslosigkeit nehmen drastisch zu. Hierdurch wird der Konsum auf Dauer abnehmen.

Sollte der Konsum noch stärker zurückgehen als die Industrie antizipiert hat, wird die Industrie noch weiter abbauen müssen, wodurch der Konsum wieder getroffen würde. Gleichzeitig wird der Rückgang in der Industrie und beim Verbraucher für neue Kreditprobleme bei den Banken sorgen.

Wie weit sind wir in der Durchschreitung der Krise?

Wir sind leider noch nicht in der Mitte der Krise angekommen. Die Krise befindet sich weiter im Aufbau.

- Das Bank- und Finanzwesen ist durch koordinierte internationale Rettungsmaßnahmen vor dem Kollaps gerettet worden. Allerdings sind einige große Banken in mehreren Ländern noch weit von einem eigenständigen Überleben entfernt.

- Die Industrie befindet sich weiterhin in einer Abwärtsbewegung.

- Der Konsum befindet sich erst am Anfang einer Abwärtsbewegung. Bis vor kurzem war der Konsum kaum von der Krise beeinträchtigt. Die Auswirkungen der zunehmenden Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit werden sich erst in der nächsten Zeit bemerkbar machen.

Die Weitergabe der Folgen durch die Kette ist keine Einwegstraße. Wenn die Folgen des schrumpfenden Konsums größer sind als die Industrie antizipiert hat, kann dadurch ein weiterer Abschwung in der Industrie verursacht werden. Ebenso können Probleme in der Industrie und bei den Verbrauchern für Kreditprobleme bei den Banken sorgen. Erst wenn dieser Teufelskreis nachhaltig durchbrochen wird, kann ein nachhaltiger Aufschwung einsetzen.

Die Regierungen der internationalen Staatengemeinschaft investieren historisch einmalige Summen in die Absicherung des Finanzsystems und in Konjunkturprogramme. Hierdurch werden Staatsverschuldungen um enorme Beträge in die Höhe getrieben. Gleichzeitig müssen die Staaten mit großen Steuerausfällen rechnen. Folglich muss eine deutlich geschrumpfte Wirtschaft in Zukunft die Zinsen und die Tilgung einer deutlich gewachsenen Staatsverschuldung finanzieren.

Zur Zeit akzeptieren Investoren noch eine sehr niedrige Verzinsung für Staatsanleihen, aber das kann sich - auch unabhängig von einer eventuellen Inflationsgefahr! - sehr schnell ändern. Steigende Zinsen würden wiederum einen negativen Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung haben.

Fakten

Die meisten positiven Nachrichten, die wir zur Zeit erhalten, werden damit begründet, dass die betreffenden Entwicklungen zwar schlimm sind, aber die erwartete Entwicklung war eigentlich noch schlimmer. Also, ist die betreffende Entwicklung eigentlich positiv. Die Fakten sprechen zur Zeit aber eine andere Sprache. Einige Eckdaten möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote in den USA hat mit derzeit 8,9% ein Niveau erreicht, das bis jetzt noch lediglich mit den Folgen der Ölschocks und der fehlenden Budgetdisziplin in den siebziger Jahren vergleichbar ist. Die Geschwindigkeit des Anstiegs ist hoch und der Anstieg hat sich bis jetzt kaum abgebremst. Eine Trendwende ist in den Daten nicht erkennbar.

Arbeitslosenquote USA / Quelle: Bloomberg

Bewertungsniveau USA

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 sieht mit aktuell ca. 14,4 im historischen Vergleich relativ niedrig aus. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Berechnung auf Basis der Unternehmensgewinne der letzten vier Quartale erfolgt. Viele Unternehmen haben erst im letzten Quartal erste Folgen der Krise in ihren Berichten gezeigt. Wenn die Berechnung auf Basis von vier "Krisenquartalen" erfolgen würde, würde das KGV sehr viel höher ausfallen. Normalerweise ist das kein großes Problem, vorausgesetzt, die Unternehmensgewinne erholen sich in den Folgejahren schnell. Sollte eine langjährige, zähe Wirtschaftsentwicklung stattfinden, wäre das Bewertungsniveau heute defacto bereits hoch.  

KGV S&P500 / Quelle: Bloomberg

Bewertungsniveau Deutschland

Die aktuell hohen Bewertungen in den Aktienmärkten wird am Beispiel der DAX-Werte noch sehr viel deutlicher. Aktuell liegt das KGV des DAX bei ca. 24,7. Bei Berücksichtigung von vier "Krisenquartalen" läge das KGV bei weit über 50. Erholt die Wirtschaft sich schnell, ist dieses Niveau hoch, aber vertretbar. Bei einer schleppenden Erholung wäre die aktuelle Bewertung viel zu hoch.

KGV DAX / Quelle: Bloomberg

Zinsen USA und Deutschland

Rentenanleger schwanken im Moment zwischen einerseits vermeintlicher Sicherheit in Staatsanleihen und andererseits höherverzinslichen Rentenalternativen. Entgegen dem Willen der amerikanischen Notenbank Fed stiegen die Zinsen in den letzten Wochen. Die Fed erklärt das mit dem angeblichen Zuversicht der Anleger, dass die Wirtschaft wieder wachsen wird. Unserer Meinung nach ist diese Erklärung eher ein "Pfeifen im Walde".

Die Tatsache, dass der Bundesstaat California den eigenen Finanzierungsbedarf nicht selbst direkt am Markt als Kredit aufnehmen möchte, sondern versucht, das Rettungsprogramm TARP in Anspruch zu nehmen, weil sonst die Zinsen zu stark ansteigen würden, zeigt, dass der zinslenkende Speilraum des Staates abnimmt.

Der Zinsanstieg ist eher mit einer möglichen Verschlechterung des Kreditstatus der USA in Verbindung zu bringen. Ähnliche Überlegungen belasten gegenwärtig den Dollar.

Die EZB ist intern zerstritten über die Frage, ob das Aufkaufprogramm privater Wertpapiere ausgeweitet werden soll. In diesem Kontext sind Äußerungen einzelner EZB-Direktoren als PR-Maßnahmen der Befürworter einer Ausweitung zu verstehen. Das letzte Wort in dieser Sache ist aber noch nicht gesprochen und die Fakten deuten in der Summe kaum auf eine Erholung hin.

Zinsniveaus Deutschland und USA / Quelle: Bloomberg

Fazit

Diese Krise ist keine kurzfristige Konjunkturkrise, sondern eine tiefgreifende Strukturkrise. Das Finanzsystem wäre ohne Staatshilfe implodiert. Das Finanzsystem und die Wirtschaft sind über Jahrzehnte mit Kredit gehebelt worden. Eine Gesundung kann nur mit einer Strukturänderung einhergehen. Sobald eine Erholung der Wirtschaft eintritt, liegt die Gefahr einer schwer kontrollierbaren Inflation auf der Lauer. Konservative Anlagen wie Staatsanleihen und Bankgeld bergen dann plötzlich die Gefahr eines hohen Wertverlustes in sich und manche Anlagen, die eigentlich als dynamisch eingestuft werden, dienen dann plötzlich dem konservativen Werterhalt. Die Staatsbudgets müssen über viele Jahre diszipliniert geheilt werden.

Dieser Umbruchsituation kann nur mit einer vorwärts gerichteten Perspektive begegnet werden. Alte, rückwärtsgerichtete Rezepte ("das war schon immer so") sind eher gefährlich. In dieser Situation ist es nicht sinnvoll, kurzfristige Gewinne anzustreben. Vielmehr müssen fundamentale Risiken berücksichtigt und selektiert werden. Manche Chancen und Risiken können bewusst eingegangen werden, andere bewusst nicht. Behutsamkeit hat in dieser Situation höchste Priorität.

Unsere Strategien sind auf stabilere Renditen ausgerichtet. Bewusst nehmen wir kleinere Wertschwankungen in Kauf um extreme Risiken zu vermeiden. Auch wenn wir aktuell etwas an Wert verloren haben, haben wir das Vermögen mit dieser Strategie bisher gut durch die Krise gebracht. Wie die Historien der einzelnen Zielinvestments zeigen, werden die zukünftigen Gewinnchancen hierdurch nicht geschmälert.

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Marcel van Leeuwen

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