Managerkommentar 08.04.2010 - Focus: Griechenland patzt, die Inflation ist aus Eisen und spricht auch Chinesisch
Momentan geht es Schlag auf Schlag. In unserem Managerkommentar vom 26.03.2010 hatten wir darauf hingewiesen, dass die Rettung Griechenlands und die schleichende Inflation gefährliche Risiken beinhalten. Bereits zwei Wochen später treten diese Risiken sehr offen auf.
Griechenland
Griechenland patzt. Die Kombination der Rettungsmaßnahmen, bestehend aus EU-Hilfe und IWF-Hilfe, war ein ökonomisch gefährlicher aber politisch unvermeidbarer Kompromiss. Aus Gründen der Disziplinierung wollte Merkel unbedingt den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit im Boot haben. Jetzt hat Griechenland die IWF-Hilfe abgelehnt und damit das Vertrauen in das Land damit dramatisch weiter untergraben. Die Folgen werden nicht nur an den Kapitalmärkten sichtbar. Die eigene Bevölkerung ist schwer verunsichert und zieht ihr Geld bei den griechischen Banken ab. Hierdurch sah sich die Regierung bereits gezwungen, den griechischen Banken einen Notkredit zur Verfügung zu stellen.
Die griechische Regierung kommuniziert ganz offen, dass die strengen Auflagen durch den IWF der Grund für die Ablehnung der IWF-Hilfe sind. Genau diese strengen Auflagen sind aber notwendig. Es ist wahrscheinlich, dass Merkel bei ihrer Forderung der Einbindung des IWFs bleiben wird, zumehr diese Haltung aktuell eine der wenigen Möglichkeiten bietet, bei der deutschen Bevölkerung politisch zu punkten. Der Fairness halber sei aber auch erwähnt, dass eine Aufweichung dieser Forderung ökonomisch grob fahrlässig wäre und enorme Risiken für die PIIGS-Länder und den Euro auslösen würde. Griechenland sträubt sich noch, wird sich aber wahrscheinlich schnell der wirtschaftlichen Realität stellen müssen. In der Zwischenzeit hat das Land unnötig weiter an Glaubwürdigkeit verloren.
Die Inflation ist aus Eisen
Wie kann die Inflation in eine Volkswirtschaft hinein schleichen? Ein Beispiel sind die Entwicklungen im Handel mit Eisenerz. Bisher haben die großen Anbieter mit ihren Abnehmern langfristige Lieferverträge mit festen Preisen abgeschlossen. Gerade ist es ihnen gelungen, Verträge mit einer quartalsweisen Preisanpassung an Marktpreise durchzusetzen. Hierdurch können die Anbieter sehr schnell von den steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Preissteigerungen sehr schnell in die Kalkulation der Endprodukte einfließen werden. Schuld ist nicht eine überhitzte Wirtschaft, denn die Konjunkturaussichten sind schwach. Schuld ist die Politik des billigen Geldes, die zu Preissteigerungen in allen Assetklassen führt.
Die Inflation spricht auch Chinesisch
Die Zeichen verdichten sich, dass auch China sich nicht mehr ohne Problem der selbstverursachten Blase entziehen kann. Die regionalen Regierungen im riesigen Land haben im Jahr 2009 Konjunkturprogramme für Infrastruktur gestartet, mit einem Umfang in Höhe von zwei Mal der gesamten indischen Wirtschaft. Durch die damit einhergehende Kreditvergabe wird China immer mehr ein Gefangener seiner eigenen Kreditpolitik. Sollte die Kreditpolitik nicht geändert werden, schätzen Wissenschaftler, dass China bereits im übernächsten Jahr eine Inflation von 15 Prozent erleben könnte.
Sollte die Kreditvergabe tatsächlich eingedämmt werden, würde zum ersten Mal eine gigantische Summe an Problemkrediten in den Bankbilanzen sichtbar werden. Bisher wurden die Problemkredite nicht sichtbar, weil die Probleme durch weitere Kredite künstlich am Leben gehalten wurden. Dazu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Immobilienblase platzt, täglich zunimmt. Ein Platzen der Immobilienblase hätte direkte Folgen für die Banken, Versicherungen aber auch für die Industrieunternehmen. So ist China zunehmend “stuck between a rock and a hard place“.
Gleitende Korrektur oder Boom and Bust?
Wenn wir viel Glück haben, wird die Weltwirtschaft ein Soft Landing hinlegen. Die Entwicklungen an den Finanzmärkten könnten dann von gleitenden Korrekturen geprägt sein. Ein anderes Szenario, das erfahrungsgemäß nicht unwahrscheinlicher ist, ist eine andauernde Abwechslung von Boom and Bust Zyklen, die unter dem Strich zu einer Senkung der Assetpreisen führen werden. Dabei kann es sehr unterschiedliche Entwicklungen in einzelnen Assetklassen geben. In einem nächsten Managerkommentar werden wir tiefer auf dieses Thema eingehen.
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